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Schuhe drücken oder scheuern: was an welcher Stelle hilft

Schuhe drücken oder scheuern: was an welcher Stelle hilft

Es gibt diesen Moment nach etwa zwei Kilometern, in dem aus einem leisen Drücken ein Gedanke wird, der nicht mehr weggeht. Meistens hat man den Schuh morgens noch für bequem gehalten.

Das Ärgerliche daran: Fast jeder Ratschlag, den man dazu findet, behandelt den Schuh als Ganzes. Weiten, einlaufen, dickere Socken. Dabei drückt nie der ganze Schuh, sondern ein Punkt von der Größe einer Zweieurommünze. Und je nachdem, wo dieser Punkt sitzt, hilft etwas völlig anderes.

Deshalb hier die sechs Stellen einzeln, mit dem, was an der jeweiligen tatsächlich wirkt.

Drücken oder scheuern? Der Unterschied entscheidet

Beides fühlt sich unangenehm an, aber es sind zwei verschiedene Probleme mit zwei verschiedenen Lösungen.

Druck ist statisch. Etwas presst gegen deinen Fuß, auch wenn du stillstehst. Eine zu schmale Stelle, eine harte Naht, eine Kappe, die zu eng geschnitten ist. Da hilft nur, Platz zu schaffen oder die Stelle weicher zu machen.

Scheuern ist Bewegung. Der Fuß verschiebt sich im Schuh, immer wieder, und die Haut wird dabei gegen die Unterlage gezogen. Hier bringt mehr Platz gar nichts, im Gegenteil, oft macht er es schlimmer. Was hilft, ist entweder den Fuß zu fixieren oder die Reibung an der Kontaktstelle zu senken.

Der Test dauert zehn Sekunden. Steh im Schuh still und spür nach. Tut es weh, ohne dass du dich bewegst, drückt es. Tut es erst nach ein paar hundert Metern weh und die Stelle fühlt sich warm an, scheuert es. Warm ist übrigens das entscheidende Wort, denn das ist ein Hot Spot und die Vorstufe zur Blase.

An der Ferse und der Achillessehne

Die häufigste Stelle überhaupt, und in den allermeisten Fällen scheuert es dort, statt zu drücken. Der Grund heißt Fersenschlupf: Die Ferse hebt sich bei jedem Schritt ein Stück aus der Fersenkappe und setzt wieder auf. Ein paar Millimeter reichen. Auf zehn Kilometern sind das rund siebentausend kleine Scheuerbewegungen an derselben Stelle.

Bevor du irgendetwas anderes probierst, schnür den Schuh anders. Die Heel-Lock-Schnürung nutzt die obersten beiden Ösen, um den Rist nach unten zu ziehen und die Ferse in der Kappe zu halten. Das kostet nichts und löst einen erstaunlich großen Teil der Fälle. Wenn die Schnürung sitzt und es trotzdem reibt, ist die Kontaktstelle selbst dran: Ein Klebepad in der Fersenbox nimmt der Reibung die Angriffsfläche, ohne dass du Platz verlierst.

Drückt es dagegen wirklich, also schon im Stehen, sitzt meist die obere Kante der Fersenkappe auf der Achillessehne auf. Bei steifen Wanderstiefeln passiert das gern. Da hilft weder Schnüren noch Kleben, sondern nur ein Schuh mit niedrigerem oder weicher gepolstertem Schaftabschluss.

BLASENSTOPPER Klebepads für die Fersenbox gegen scheuernde Schuhe
BLASENSTOPPER für die Ferse

Ergonomisch für die Fersenbox geformt, 0,37 mm dünn. Wird im Schuh aufgeklebt statt auf der Haut und bleibt dort wochenlang liegen.

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Seitlich am Knöchel

Seitlich drückt es fast immer wirklich, und die Ursache ist selten der Schuh allein. Der Außenknöchel steht bei vielen Menschen weiter vor, als der Schuhschnitt vorsieht. Bei halbhohen Modellen trifft der Schaftrand dann genau auf den Knochen.

Prüf zuerst, ob du zu fest geschnürt hast. Ein straff gezogener Schaft zieht das Obermaterial seitlich an den Knöchel heran, und viele schnüren gerade dann fester, wenn es drückt. Das ist der Reflex, der es schlimmer macht.

Hilft das nicht, bleibt die Wahl zwischen einer punktuellen Weitung beim Schuhmacher, was bei Leder gut und bei Synthetik kaum funktioniert, und einem niedrigeren Schaft. Bei einem knöchelhohen Wanderschuh, der auf dem Knochen sitzt, ist ehrlicherweise meistens der Schuh die falsche Wahl gewesen.

Vorne an den Zehen

Vorne wird es unübersichtlich, weil dort Druck und Reibung gleichzeitig auftreten können und die Stelle klein ist.

Am kleinen Zeh liegt es fast immer an der Breite. Der kleine Zeh krümmt sich bei vielen nach innen, dabei tritt sein Mittelgelenk seitlich hervor und trifft auf die schmalste Stelle des Schuhs. Ein Klebepad an dieser Stelle im Schuh entschärft es, ohne dass der ohnehin knappe Raum noch enger wird. Silikonkappen tun das Gegenteil, sie brauchen Platz, den du dort nicht hast.

Oben auf dem großen Zeh drückt es, wenn der Zeh nach oben zeigt oder das Gelenk hervorsteht. Klassiker bei Hammer- und Krallenzehen. Auch hier arbeitest du am besten von innen an der Schuhkappe.

An der Zehenspitze ist die Sache meist einfacher, als sie aussieht: Der Schuh ist zu kurz oder zu lang. Zwischen längstem Zeh und Schuhinnenwand gehört eine Daumenbreite Platz, gemessen im Stehen. Ist es zu lang, rutscht der Fuß nach vorn und stößt am Ende genauso an. Bergab verstärkt sich beides deutlich. Mehr dazu steht im Ratgeber zu Blasen an den Zehen.

Am Ballen und beim Hallux

Beim Hallux valgus weicht der große Zeh nach innen ab, das Grundgelenk tritt nach außen hervor und bildet den bekannten Ballen. Der bekommt in einem normal geschnittenen Schuh keinen Platz.

Weiten ist hier tatsächlich die erste Wahl, und zwar punktuell beim Schuhmacher, nicht mit dem Spanner über den ganzen Vorfuß. Ein guter Schuhmacher weitet genau die eine Beule heraus. Bei Leder hält das dauerhaft.

Zusätzlich lohnt der Blick auf die Einlegesohle. Nimm sie heraus und fahr mit dem Finger über den Rand. Spürst du dort eine harte Kante, schiebt sich der Zeh bei jedem Abrollen darüber, und das ist ein unterschätzter Verursacher von Blasen unter dem großen Zeh. Ein rechteckiger Stopper auf der Einlegesohle nimmt der Kante die Schärfe. Ausführlich haben wir das im Beitrag zu Blasen und Reibung bei Hallux valgus beschrieben.

Oben auf dem Spann

Auf dem Spann drückt fast immer die Schnürung, nicht der Schuh. Bei einem hohen Rist läuft die Zunge über einen Knochen, der weiter vorsteht als vorgesehen, und jeder Zug an den Schnürsenkeln presst sie dagegen.

Die Lösung heißt Fenster-Schnürung. Du überspringst auf Höhe der Druckstelle ein Ösenpaar und ziehst die Senkel dort senkrecht nach oben statt über Kreuz. Damit entsteht genau an der schmerzenden Stelle ein Bereich ohne Zug, während der Rest des Schuhs fest bleibt. Kostet dreißig Sekunden und wirkt sofort.

Reicht das nicht, ist die Zunge zu dünn gepolstert. Ein zusätzliches Polsterstück unter der Zunge verteilt den Druck, macht den Schuh allerdings innen etwas enger.

Neue Schuhe einlaufen: was funktioniert

Vorweg die unbequeme Wahrheit: Einlaufen macht einen Schuh nicht größer. Es macht ihn weicher und lässt das Obermaterial sich an einzelne Stellen anpassen. Wer eine halbe Nummer zu klein gekauft hat, läuft das nicht heraus.

Was tatsächlich funktioniert, ist die schrittweise Steigerung. Erst im Haus tragen, dann kurze Wege, dann längere. Bei Wanderstiefeln würde ich vor der ersten größeren Tour mindestens drei bis vier Ausflüge mit steigender Länge einplanen, mit dem Rucksackgewicht, das du später auch trägst. Das Gewicht verändert die Belastung im Schuh spürbar.

Von den Hausmitteln aus dem Internet halte ich wenig. Nasses Zeitungspapier verformt das Leder unkontrolliert, der Föhn auf dicken Socken kann Klebstoffe im Schuh angreifen, und Einfrieren mit Wasserbeuteln belastet Nähte an Stellen, die dafür nicht gebaut sind. Wenn wirklich geweitet werden muss, macht das ein Schuhmacher in zehn Minuten und punktgenau.

Was in der Einlaufphase dagegen viel bringt: die richtige Socke. In genau dieser Zeit reiben Nähte und Kanten am stärksten, weil sie noch nichts nachgegeben haben. Eine doppellagige Socke verlagert die Reibung zwischen die beiden Lagen, statt sie auf deine Haut zu bringen.

Wrightsock doppellagige Anti-Blasen-Socken für die Einlaufphase neuer Schuhe
WRIGHTSOCK Anti-Blasen-Socken

Zwei Lagen, die gegeneinander gleiten. Die Reibung wandert zwischen die Sockenlagen statt auf deine Haut. Welches Modell zu deinem Schuh passt, zeigt der Sockenfinder.

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Wann der Schuh einfach nicht passt

Es gibt einen Punkt, an dem jede Bastelei nur noch Zeit kostet. Wenn die Zehen sich nicht bewegen lassen, wenn du nach einer halben Stunde Taubheitsgefühle bekommst oder wenn der Schuh an drei verschiedenen Stellen gleichzeitig drückt, ist es nicht die Passform an einer Stelle, sondern die Leistenform insgesamt. Dagegen hilft kein Pad und kein Weiten.

Praktischer Hinweis dazu: Füße schwellen im Tagesverlauf an, bei Hitze und auf langen Touren teils um eine halbe Größe. Ein Schuhkauf am späten Nachmittag bildet die realistischere Situation ab als einer am Vormittag. Und probier immer mit den Socken, die du später auch trägst, denn zwischen einer dünnen Businesssocke und einer gepolsterten Wandersocke liegen leicht mehrere Millimeter.

Bleibt der Fuß nach dem Ausziehen länger gerötet, taub oder schmerzt er noch am nächsten Tag, gehört das ärztlich oder podologisch angeschaut. Aus einer harmlosen Druckstelle wird sonst schnell mehr. Was du dann tun kannst, steht im Beitrag zur Druckstelle am Fuß.

Häufige Fragen

Was tun, wenn Schuhe an der Ferse scheuern?

Zuerst die Schnürung ändern. Eine Heel-Lock-Schnürung über die obersten Ösen hält die Ferse in der Kappe und beseitigt den Fersenschlupf, der die Reibung erzeugt. Wenn das nicht reicht, kommt ein Klebepad in die Fersenbox, das die Reibung an der Kontaktstelle senkt, ohne Platz wegzunehmen.

Kann man Schuhe wirklich weiten?

Punktuell ja, insgesamt kaum. Ein Schuhmacher kann eine einzelne Beule herausweiten, etwa am Hallux oder am kleinen Zeh, und bei Leder hält das dauerhaft. Eine ganze Nummer gewinnt man dadurch nicht, und bei synthetischem Obermaterial funktioniert Weiten deutlich schlechter als bei Leder.

Wie lange dauert es, neue Schuhe einzulaufen?

Bei Sneakern und Laufschuhen meist wenige Tage, bei steifen Wanderstiefeln eher mehrere Wochen. Sinnvoll sind drei bis vier Ausflüge mit steigender Länge, bevor die erste längere Tour ansteht, und zwar mit dem Rucksackgewicht, das du später trägst.

Helfen dickere Socken gegen drückende Schuhe?

Bei Druck meistens nicht, im Gegenteil, sie machen den Schuh noch enger. Bei Reibung dagegen schon, allerdings kommt es auf die Konstruktion an und nicht auf die Dicke. Eine doppellagige Socke verlagert die Reibung zwischen ihre beiden Lagen, statt sie auf die Haut zu bringen.

Warum drücken alle Schuhe am kleinen Zeh?

Weil der kleine Zeh bei vielen Menschen nach innen gedreht steht und sein Mittelgelenk dadurch seitlich hervortritt. Genau dort läuft die schmalste Stelle handelsüblicher Schuhe. Schuhe mit breiterem Vorfußbereich lösen das, kurzfristig hilft ein Klebepad an der Innenseite des Schuhs an dieser Stelle.