Sport & Outdoor-Praxis

Skitouren für Einsteiger: Ausrüstung, Technik und Tipps

Skitouren Tipps für Einsteiger Blasen verhindern

Der Trend hält an. Überfüllte Pisten, Skipass-Preise jenseits der 70 Euro und ein wachsendes Unbehagen gegenüber dem Ressourcenverbrauch des alpinen Skizirkus treiben immer mehr Wintersportler ins Gelände. Sie schnallen die Felle unter die Tourenski und machen sich zu Fuß auf den Weg nach oben.

Wer neu einsteigt, unterschätzt allerdings gern zwei Dinge: wie viel Wissen dazugehört, und wie sehr die Füße dabei arbeiten müssen. Um beides geht es hier.

Vom Fortbewegungsmittel zum Performance-Sport

Skitourengehen ist keine Erfindung der Tourismusbranche. Lange bevor irgendjemand daraus ein Produkt machte, war es schlicht die Art, wie man sich im Winter durch die Berge bewegte, ähnlich wie das Schneeschuhgehen. Für den Grip sorgten Felle, die gegen den Strich unter den Ski montiert wurden. Eine Bindung, die das Heben der Ferse zuließ, machte den Rest.

Heute ist daraus etwas anderes geworden. Der Aufstieg durch unberührte Natur, oben die Felle abziehen, und dann im Idealfall über einen jungfräulichen Hang ins Tal. Die Abfahrt ist dabei genauso fordernd wie die Höhenmeter davor, denn Tiefschnee im freien Gelände verzeiht wenig.

Bis dahin braucht es Vorbereitung. Technik für Aufstieg und Abfahrt, dazu Kenntnisse über Wetter, Schnee und Lawinen. Die Zahl der Lawinentoten im Alpenraum liegt Jahr für Jahr im dreistelligen Bereich, und die romantischste Winterkulisse verbirgt Gefahren, die ein Laie schlicht nicht sieht.

So gelingt der Einstieg

Grundvoraussetzung: Du solltest sicher auf dem Ski stehen und eine reguläre Piste souverän herunterfahren können. Die Bewegung beim Aufstieg ähnelt dem Skilanglauf, für die Abfahrt wird die Bindung an der Ferse fixiert. Der Tourenski ist leichter als ein Alpinski und liegt entsprechend unruhiger auf der Piste.

Dazu kommt ein Bekleidungsproblem, das viele erst auf der ersten Tour verstehen. Bergauf wird es schweißtreibend, bergab pfeift dir eiskalte Luft entgegen. Ein Konzept aus mehreren Schichten ist deshalb keine Kür, sondern Voraussetzung. Das gilt übrigens auch für die Socken, dazu unten mehr.

Der beste Einstieg: Pistenaufstieg im Skigebiet

Für die ersten Touren bleibst du am besten im Skigebiet. Viele Liftbetreiber haben sich auf die wachsende Zahl an Tourengehern eingestellt und bieten Skitourenabende an, bei denen die Piste zum Aufstieg und zur Abfahrt freigegeben ist.

Der Vorteil liegt auf der Hand: lawinensicheres Terrain, präparierter Untergrund, und trotzdem übst du alles, was später im Gelände sitzen muss. Technik, Fellwechsel, Umbau der Bindung. Im Gelände muss jeder Handgriff sitzen, sonst wird aus Genuss schnell Stress.

Als Anfänger niemals allein ins Gelände

Alpenverein, Bergschulen und viele Skigebiete bieten Camps, Einsteiger-Wochenenden und Seminare an. Nutze sie. Eine Tour ins freie Gelände unternimmst du nicht allein, und ohne Wetter- und Lawinenkunde gehörst du dort schlicht nicht hin. Plane die erste Geländetour gemeinsam mit einem Bergführer oder wenigstens mit jemandem, der wirklich Erfahrung hat.

Ausrüstung fürs Skitourengehen

Die Liste ist länger als beim Pistenskifahren, und einiges davon kannst du beim ersten Mal leihen. Nur bei Schuhen und Socken lohnt sich Leihmaterial selten, weil beides direkt am Fuß sitzt.

  • Tourenski mit Tourenbindung
  • Tourenskischuhe
  • Steigfelle
  • Harscheisen für vereiste Passagen
  • Längenverstellbare Skistöcke mit großen Tellern
  • Skihelm
  • Lawinenausrüstung: LVS-Gerät, Sonde, Schaufel
  • Airbag-Rucksack
  • Rucksack für Bekleidung und Getränke
  • Stirnlampe
  • Handschuhe, idealerweise zwei Paar
  • Atmungsaktive erste Schicht
  • Windabweisende Jacke und Hose für den Aufstieg
  • Zusätzliche Isolationsjacke für die Abfahrt
  • Gut sitzende Skisocken

Der Tourenschuh ist der härteste Schuh im Schrank

Kein anderer Schuh verlangt dem Fuß so viel ab. Eine harte Kunststoffschale, ein hoher Schaft, und dazu zwei Bewegungsmuster, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Beim Aufstieg hebt die Ferse bei jedem einzelnen Schritt, über 800 Höhenmeter also einige tausend Mal. Bei der Abfahrt ist derselbe Fuß bewegungslos fixiert.

Zwei Stellen machen deshalb regelmäßig Ärger. Die erste ist das Schienbein, wo die Schaftkante bei jedem Aufstiegsschritt gegen die Haut arbeitet. Die zweite ist die Ferse, weil der Fersenhub genau die Bewegung ist, aus der Blasen entstehen. Wer nach der ersten Tour eine handtellergroße rote Stelle am Schienbein hat, weiß, wovon hier die Rede ist.

Gegen beides hilft dasselbe Prinzip: die Reibung dort rausnehmen, wo sie entsteht, also am Schuh statt an der Haut. Der rechteckige BLASENSTOPPER ist dafür die einzige Variante im Sortiment, die groß genug ist. Du schneidest ihn mit der Schere passend zu und klebst ihn an die Innenseite des Schafts, dorthin, wo das Schienbein anliegt. Für die Ferse funktioniert derselbe Handgriff in der Fersenkappe.

Wichtig dabei: Das gehört vor die Tour, nicht auf die Hütte. Der Kleber braucht eine trockene, saubere Fläche, und die hast du zu Hause, nicht nach vier Stunden im durchgeschwitzten Innenschuh.

BLASENSTOPPER rechteckig zum Zuschneiden gegen Druckstellen am Schienbein im Skitourenschuh
BLASENSTOPPER (Rechteck)

Großflächiges Blasenpflaster für den Schuh, 9,5 x 7 cm, mit der Schere passend zuzuschneiden. Für den Schaft am Schienbein und die Fersenkappe im Tourenschuh.

Zum Blasenstopper

Die richtige Socke muss mit

Skitourenschuh mit WRIGHTSOCK COOLMESH II kniehoch als Skisocke gegen Blasen beim Skitourengehen

Dynamisch bergauf, präzise Schwünge bergab, dazwischen dieselbe Socke: Beim Skitourengehen leisten die Füße mehr als bei fast jeder anderen Wintersportart. Eine dicke Frottee-Socke ist hier übrigens kontraproduktiv, weil sie im ohnehin engen Innenschuh Volumen wegnimmt und beim Aufstieg vollsaugt.

Die Socken von WRIGHTSOCK lösen das über zwei Lagen statt über Polsterung. Die beiden Textillagen verschieben sich minimal gegeneinander, und dadurch findet die Reibung zwischen den Lagen statt und nicht auf deiner Haut. Genau das, was der Fersenhub beim Aufstieg braucht.

Dazu kommt der Feuchtigkeitstransport der Funktionsfaser. Nach dem Aufstieg hast du trockene Socken, und trockene Socken kühlen bei der Abfahrt nicht aus. Wer schon einmal mit nassen Füßen im Sessellift saß, kennt den Unterschied. Für Tourenschuhe empfehlen wir die kniehohe Variante, damit die Socke über den Schaftrand hinausreicht.

WRIGHTSOCK doppellagige Anti-Blasen-Socken für Skitouren und Wintersport
WRIGHTSOCK Wintersport

Doppellagige Socken, die die Reibung zwischen die Lagen verlegen statt auf die Haut. Für Tourenschuhe in kniehoher Ausführung.

Skisocken ansehen

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Häufige Fragen zum Skitourengehen

Welche Socken eignen sich für Skitouren?

Dünne, kniehohe Funktionssocken, die über den Schaftrand reichen. Dicke Frottee-Socken nehmen im engen Innenschuh Volumen weg und saugen sich beim Aufstieg voll. Doppellagige Socken haben den Vorteil, dass die Reibung zwischen den Lagen stattfindet und nicht auf der Haut, was beim ständigen Fersenhub im Aufstieg entscheidend ist.

Warum scheuert der Tourenschuh am Schienbein?

Weil die harte Schaftkante bei jedem Aufstiegsschritt gegen das Schienbein arbeitet. Anders als beim Pistenskifahren ist der Schaft im Aufstiegsmodus beweglich, und genau diese Bewegung erzeugt Reibung. Abhilfe schafft ein zugeschnittener Blasenstopper an der Innenseite des Schafts, aufgeklebt vor der Tour auf trockener, sauberer Fläche.

Kann man Skitouren mit normalen Skischuhen gehen?

Auf kurzen Pistenaufstiegen geht das notfalls, komfortabel ist es nicht. Alpinskischuhen fehlt der Gehmodus, der Schaft bleibt starr und die Sohle ist nicht auf Gehen ausgelegt. Für die erste Tour lohnt sich Leihmaterial deutlich mehr als der Versuch mit dem vorhandenen Schuh.

Wie viele Höhenmeter schafft man als Einsteiger?

Für die ersten Touren sind 400 bis 600 Höhenmeter ein realistisches Ziel. Geübte Tourengeher steigen 300 bis 400 Höhenmeter pro Stunde. Plane beim ersten Mal lieber zu wenig als zu viel, denn müde Beine in der Abfahrt sind im freien Gelände ein echtes Risiko.

Braucht man für Pistentouren eine Lawinenausrüstung?

Auf geöffneten, präparierten Pisten nicht. Sobald du das gesicherte Gebiet verlässt, gehören LVS-Gerät, Sonde und Schaufel zur Grundausstattung, und zwar für jeden in der Gruppe. Die Ausrüstung allein reicht allerdings nicht, du musst sie auch bedienen können.

Titelfoto: Andreas Gruhle | gipfelfieber.com