Blasen durch Haglundferse: So stoppst du die Reibung am Überbein
Wer gerne wandert, joggt oder einfach viel auf den Beinen ist, für den sind Blasen an der Ferse ein bekanntes Ärgernis. Doch für Menschen mit einer Haglundferse (auch Haglundexostose genannt) ist dieses Problem oft ein ständiger und extrem schmerzhafter Begleiter. Normale Schuhe scheinen plötzlich zur reinen Folterkammer zu werden, und selbst bei kurzen Strecken reibt sich die Haut am Fersenbein auf.
In diesem Artikel erklären wir dir, was genau eine Haglundferse ist, warum sie so anfällig für Blasenbildung ist und – am wichtigsten – mit welchen Tricks und Hilfsmitteln du endlich wieder schmerzfrei laufen kannst.
Was ist eine Haglundferse (Haglundexostose)?
Die Haglundferse ist eine knöcherne Vorwölbung (Überbein) am hinteren, oberen Rand des Fersenbeins. Sie sitzt genau an der Stelle, wo die Achillessehne am Knochen ansetzt.
Dieses Überbein ist oft genetisch bedingt, kann sich aber durch jahrelange Belastung, Fehlstellungen des Fußes (wie ein Hohlfuß) oder das Tragen von zu engem, hartem Schuhwerk verstärken. Durch den ständigen mechanischen Reiz entzündet sich häufig nicht nur der dort liegende Schleimbeutel, sondern auch die Haut darüber leidet massiv.
Warum führt die Haglundferse so oft zu Blasen?
Das Problem lässt sich auf ein einfaches physikalisches Prinzip herunterbrechen: Druck und Scherkräfte.
Standard-Schuhe werden für eine „normale“, relativ gerade oder leicht geschwungene Fersenform produziert. Wenn du nun mit dem knöchernen Überbein der Haglundferse in einen solchen Schuh schlüpfst, passiert Folgendes:
- Erhöhter punktueller Druck: Die Vorwölbung drückt extrem hart gegen die starre Fersenkappe des Schuhs.
- Massive Reibung: Bei jedem Schritt bewegt sich die Ferse im Schuh minimal auf und ab (Fersenschlupf). Da das Überbein am weitesten absteht, fängt es die gesamte Reibung ab.
- Hitze und Scherkräfte: Die konzentrierte Reibung an diesem kleinen Punkt erzeugt Hitze und Scherkräfte in den Hautschichten. Die Folge: Die Hautschichten lösen sich voneinander, Gewebeflüssigkeit strömt ein – eine schmerzhafte Blase ist entstanden.
5 bewährte Tipps: So verhinderst du Blasen an der Haglundferse
Die Kombination aus Druck und Reibung muss durchbrochen werden. Mit den folgenden Strategien kannst du das Problem an der Wurzel packen.
1. Das richtige Schuhwerk & Schuhanpassung
Verzichte auf Schuhe mit extrem harter und starrer Fersenkappe. Suche gezielt nach Modellen mit einer weichen, gut gepolsterten Ferse. Profi-Tipp: Ein guter Orthopädieschuhmacher kann die Fersenkappe deiner bestehenden Wander- oder Laufschuhe erhitzen und genau an der Stelle der Haglundexostose ausweiten (ausbeulen). Dadurch wird der Druckpunkt sofort entschärft.
2. Die Marathonschnürung (Fersenhalt verbessern)
Je mehr deine Ferse im Schuh rutscht, desto mehr Reibung entsteht am Überbein. Nutze das oberste, oft ignorierte Schnürloch deiner Schuhe für die sogenannte Marathonschnürung (Fersenschloss). Sie zieht die Ferse fest in die Schuhluke und minimiert das Auf- und Abrutschen drastisch.
3. Doppellagige Socken (Das Wrightsock-Prinzip)
Wenn die Reibung nicht durch den Schuh verhindert werden kann, muss die Socke die Arbeit übernehmen. Hier sind einlagige Socken oft überfordert.
- Die Lösung: Doppellagige Socken (z.B. von Wrightsock). Die innere Sockenlage liegt eng auf der Haut (und dem Überbein) an, während die äußere Lage am Schuh anliegt. Die unvermeidliche Reibung beim Laufen findet nun zwischen den beiden Sockenlagen statt und wird nicht mehr an deine Haut weitergegeben.
4. Unsichtbarer Hautschutz gegen Scherkräfte
Trockene Haut reibt stärker als gleitfähige Haut. Um die Scherkräfte am Überbein zu minimieren, kannst du die Stelle vor dem Sport oder der Wanderung präparieren.
- Die Lösung: Ein Anti-Scheuer-Balsam (wie Body Glide). Der Balsam bildet einen wasserfesten, unsichtbaren Schutzfilm auf der Haglundferse, der die Reibung stark herabsetzt, ohne die Poren zu verstopfen.
5. Den Schuh von innen glätten
Oft ist das Innenfutter des Schuhs durch die knöcherne Vorwölbung bereits aufgeraut, was die Blasenbildung noch beschleunigt.
- Die Lösung: Klebe ein glättendes Pad (z.B. einen Blasenstopper) exakt auf die Scheuerstelle im Schuh. Diese Pads haben eine extrem glatte Oberfläche. Selbst wenn die Haglundferse den Schuh berührt, gleitet sie sanft ab, anstatt sich aufzuscheuern.
Übersicht: Was hilft wann?
| Maßnahme | Wirkung | Ideal für... |
|---|---|---|
| Schuhmacher (Ausbeulen) | Nimmt den punktuellen Druck vom Überbein. | Feste Wander- und Bergschuhe. |
| Marathonschnürung | Verhindert Fersenschlupf (Rutschen). | Sportschuhe, Laufschuhe, leichte Wanderschuhe. |
| Doppellagige Socken | Fangen Scherkräfte zwischen den Lagen ab. | Lange Distanzen, starke Schweißbildung. |
| Body Glide (Balsam) | Macht die Haut extrem gleitfähig. | Schnelle, präventive Maßnahme vor jedem Lauf. |
| Blasenstopper (Im Schuh) | Repariert raues Innenfutter, glättet die Kontaktfläche. | Schuhe, die bereits leicht abgenutzt sind. |
Erste Hilfe: Was tun, wenn die Blase schon da ist?
Trotz bester Vorbereitung kann es passieren: Die Blase ist da. Bei einer Haglundferse ist besondere Vorsicht geboten, da der Bereich ohnehin oft gereizt (oder gar der Schleimbeutel entzündet) ist.
- Nicht aufstechen: Lass die Blase nach Möglichkeit geschlossen. Die Hautdecke ist der beste Schutz vor Infektionen.
- Blasenpflaster nutzen: Hochwertige Hydrokolloid-Pflaster nehmen den Druckschmerz und fördern die Heilung. Klebe sie faltenfrei auf.
- Pause gönnen: Wenn das Überbein gerötet und geschwollen ist, solltest du vorübergehend auf Schuhe setzen, die hinten offen sind (Sandalen, Clogs), um die Stelle komplett zu entlasten, bis die Haut verheilt ist.
Fazit
Eine Haglundferse ist eine anatomische Herausforderung, aber sie bedeutet nicht das Ende deiner aktiven Hobbys. Der Schlüssel liegt in der absoluten Minimierung von Reibung und Druck. Indem du das Volumen deines Schuhs anpasst, die Schnürung optimierst und auf cleveres Equipment wie doppellagige Socken und Anti-Scheuer-Balsam setzt, kannst du den Kampf gegen die Blasen gewinnen und jeden Schritt wieder genießen.





