Ausrüstungstipps

Kann man ein Loch in der Fersenbox flicken?

Kann man ein Loch in der Fersenbox flicken?

Sicher hast du das auch schon erlebt: Während deine Sportschuhe an sich noch okay sind, hat sich ein Loch in der Fersenbox gebildet und das darunter liegende Futter zum Vorschein gebracht. Es mag tröstlich für dich sein, dass du nicht die einzige Person bist, der das widerfährt. Ein durchgescheuertes Fersenfutter ist sogar ein häufiger „Schuhtod“. Wenn dann auch noch als Folge Blasen an den Fersen dazukommen ist Schluss mit lustig.

„Die Hälfte aller Laufschuhe bilden ein Loch in der Fersenbox aus.“
(Nordén ben Hassan von Eichis Laufladen in Kandel)

Nicht nur Sportsleute oder Outdoorbegeisterte müssen sich mit diesem Schuhproblem herumärgern, sondern auch Menschen in Alltagsschuhen. Ein mit uns befreundeter Laufschuhhändler meinte zu diesem Thema, dass nach seiner persönlichen Einschätzung über 50% der Laufschuhe in ihrer „Lebenszeit“ ein Loch in der Fersenbox ausbilden.

Auch unsere Schuhe hat es bereits mehrfach erwischt. Wir haben deshalb vier Reparaturmethoden selbst ausprobiert, inklusive einer, die uns ein Laufladenbesitzer gezeigt hat. Hier steht, welche davon hält und welche mehr Probleme schafft als sie löst.

Kurz vorweg: warum das Futter überhaupt aufgeht

Die Hauptverdächtigen sind schnell benannt: Fersenschlupf, eine Haglundferse, das Hineinschlüpfen in nicht aufgeschnürte Schuhe und ein zu dünnes Innenfutter. Alle vier erzeugen an derselben kleinen Fläche überdurchschnittlich viel Reibung. Ausführlich haben wir das im Ratgeber Löcher im Fersenfutter: Ursachen und wie du sie verhinderst aufgeschrieben.

Warum das hier wichtig ist: Wer die Ursache nicht abstellt, klebt den nächsten Flicken in zwei Monaten. Reparieren und Vorbeugen gehören zusammen.

Methode 1: Leder- oder Stoff-Flicken einkleben oder einnähen

Diese Möglichkeit, das Leben des Schuhs zu verlängern, haben wir selbst ausprobiert. Zum Flicken können wir handelsüblichen, festen und halbwegs dicken Stoff verwenden. In Internetforen wird zwar immer wieder mal Jeansstoff empfohlen, doch um ein frühzeitiges Durchscheuern zu verhindern, ist unsere Wahl auf einen Lederflicken gefallen. Der Schuhmacher unseres Vertrauens hat ihn für uns über das Loch in der Fersenbox hineingenäht.

Eingenähter Lederflicken über einem Loch im Fersenfutter eines Wanderschuhs
Ein Loch in der Fersenbox eines Schuhs kannst du flicken, indem du einen Lederflicken faltenfrei auf die betroffene Stelle nähst.

Ein befreundeter Langstreckenläufer, der in der Pfalz einen Laufladen führt, hat uns mit seiner eigenen Reparatur-Methode so begeistert, dass wir bei ihm im Laden ein Video aufgenommen haben. Nordén Ben Hassan von Eichi’s Laufladen in Kandel zeigt uns hier, wie er ein Stoffmaterial in den Schuh einarbeitet, das er sonst für das Beziehen von Schuheinlagen verwendet.

Ein Bezugsmaterial für Einlegesohlen wird in die Fersenbox eines Laufschuhs hineingearbeitet.

Wenn du jetzt mit dem Gedanken spielst, mit dieser Methode nicht nur die Lebensdauer deines Schuhs zu verlängern, sondern auch noch einen Schutz vor Blasen zu erhalten, müssen wir dich etwas enttäuschen. Denn die Ursache für die Blasenentstehung haben wir hiermit noch nicht ausgeräumt. Tendenziell ist aber ein Lederflicken in seiner Anti-Blasen-Wirkung einem Stoffflicken überlegen. Und das von Nordén Ben Hassan verwendete Material ist noch ein Tick besser als ein Stoffflicken.

Methode 2: Loch mit Klebeband („Panzerband“) überkleben

Verwende auf keinen Fall Klebebänder aus Papier oder Mullbänder bei dieser Methode. Du brauchst hier ein möglichst kräftiges Klebeband, z.B. Panzerband (Gaffa Klebeband). Je abriebfester das eingesetzte Klebeband ist, desto besser erfüllt es seine Aufgabe, dem Schuh ein verlängertes Leben zu schenken. Bitte aufpassen beim Einkleben: Vermeide Falten und Knicke, da an diesen Stellen der Fuß bei Bewegung viel Druck auf die Haut bekommt. Das kann ganz schnell zu Hautrötungen führen.

Wie du auf unserem Bild mit den abgeklebten Fersen sehen kannst, ist uns das nicht an allen Stellen gleich gut gelungen. An unserem Laufschuh haben wir gezwungenermaßen die Griffschlaufe mit einer Schere abgeschnitten. Diese Methode erachten wir nicht als geeignet, um ein Loch in der Fersenbox zu flicken.

Mit Panzerband überklebte Fersenbox eines Outdoor-Schuhs als provisorische Reparatur
Eine Methode, ein Loch in der Fersenbox eines Outdoor-Schuhs zu reparieren, ist das Aufkleben von Gaffaband auf die betreffende Stelle.

Methode 3: Selbstklebende Reparatur-Flicken für die Ferse

Eine vergleichsweise günstige, schnelle und nachhaltige Methode ein Loch in der Fersenbox zu flicken bieten selbstklebende Reparatur-Flicken. Diese gibt es von unterschiedlichen Herstellern in verschiedensten Farben, Formen und Größen. Sie bestehen in der Regel aus einem Textil-Kunststoff-Verbundmaterial, das einseitig mit einer kraftvollen Klebefläche versehen ist. Unsere Empfehlung: der Fersenloch-Schutz von BRIT PATCH. Diese Flicken überzeugen mit einer überdurchschnittlich langen Haftung und einer besonders einfachen Anbringung in der Fersenbox. Die Flicken können dabei sowohl zur Reparatur bereits entstandener Löcher benutzt werden als auch zur Prävention von Löchern. Wer auch vorne ein Loch hat, über dem großen Zeh, findet im Zehenloch-Schutz das passende Gegenstück.

Selbstklebender Reparaturflicken für das Fersenfutter, eingeklebt in die Fersenbox eines Sneakers
Die Klebepatches von BRIT PATCH (Variante „Fersenloch-Schutz“) können präventiv oder zur Reparatur von Löchern in die Fersenbox eingeklebt werden.
BRIT PATCH Fersenloch-Schutz, selbstklebender Flicken zur Reparatur von durchgescheuertem Fersenfutter
BRIT PATCH Fersenloch-Schutz

Selbstklebender Flicken für durchgescheuertes Fersenfutter. Deckt das Loch in der Fersenkappe ab und schützt die Stelle vor neuer Reibung. Ohne Werkzeug angebracht, 2 Stück, in Schwarz oder Weiß.

Fersenloch-Schutz ansehen

Methode 4: Blasenstopper über das Loch in der Fersenbox kleben

Blasenstopper sind blaue, selbstklebende Sticker, die im Schuh auf das Innenfutter geklebt werden, um Blasen an jenen Stellen zu vermeiden. Die Blasenstopper sind für diesen Zweck ideal geeignet, da sie durch die glatte Teflon-Beschichtung eine sehr geringe Bremswirkung haben. Diese Eigenschaft haben sie sogar auch noch unter feuchten Bedingungen, wie sie beispielsweise beim Joggen oder Wandern durchaus vorkommen können.

Blasenstopper werden wie die selbstklebenden Reparaturflicken direkt in den Schuh hineingeklebt. Anders als die Reparaturflicken verfügen die Blasenstopper über die besagte glatte Oberfläche. Damit fällt das Hineinschlüpfen in den Schuh viel leichter und Reibung beim Laufen wird merklich reduziert. Damit kann neben der erneuten Entstehung von Löchern auch effektiv Blasenbildung an der Ferse vorgebeugt werden.

Ovaler Blasenstopper in die Fersenbox eines Wanderschuhs geklebt
In die Fersenbox eines Wanderschuhs kann ein ovaler Blasenstopper zur Reduktion von Reibung eingeklebt werden.

Werden die Blasenstopper korrekt nach Anleitung eingeklebt, und es wird nicht nass im Schuh, haben die Blasenstopper eine Lebenszeit von mehreren Monaten.

In unserem Wanderschuhbeispiel haben wir einen ovalen Blasenstopper auf das entstandene Loch geklebt. Es gibt auch noch einen speziell für die Ferse geformten Blasenstopper, der hier eingesetzt werden kann. Wenn der Blasenstopper nach längerem Gebrauch eine abgerubbelte blaue Oberfläche aufweist und die weiße Unterschicht zum Vorschein kommt, dann ist es an der Zeit den Stopper auszutauschen.

Bitte bei diesen Aktionen die Anwendungsanleitung des Blasenstoppers zu Rate ziehen und einen Fön bereithalten.

Blasenstopper wird zur Reparatur über ein Loch in der Fersenbox geklebt
Ein Blasenstopper wird eingeklebt, um ein Loch in der Fersenbox zu flicken.

Fazit: Es lohnt sich, wenn man es richtig macht

Das Einkleben oder Einnähen von Leder- und Stoffflicken, das Abkleben mit Panzerband und die weit verbreiteten Fersenhalter sind oft kontraproduktiv, weil diese Materialien einen hohen Reibungswiderstand aufweisen und dadurch die Blasen verursachenden Scherkräfte nicht ausreichend abbauen können.

Für die reine Reparatur ist der selbstklebende Flicken die schnellste und günstigste Lösung. Kommen Blasen dazu, bietet der Blasenstopper durch seine glatte Oberfläche einen doppelten Nutzen: Reduktion der Scherkräfte und Abdeckung des Lochs. Erfahrungsgemäß lässt sich die Lebensdauer der Schuhe damit noch einmal deutlich verlängern – der Umwelt sei Dank.

Häufige Fragen zur Reparatur der Fersenbox

Lohnt sich die Reparatur oder soll ich neue Schuhe kaufen?

Solange Sohle und Obermaterial intakt sind, lohnt sie sich fast immer. Ein selbstklebender Flicken kostet einen Bruchteil eines neuen Paares und ist in fünf Minuten angebracht. Erst wenn die Dämpfung platt ist, wird es Zeit für neue Schuhe.

Funktioniert ein Klebeflicken auch auf Lederfutter?

Ja. Wichtig ist eine trockene, saubere und fettfreie Fläche. Bei gepflegtem Leder vorher mit etwas Alkohol entfetten, sonst haftet der Kleber nicht richtig. Auf Textilfutter hält er ohnehin problemlos.

Löst sich der Flicken wieder ab, wenn der Schuh nass wird?

Bei einmaliger Feuchtigkeit normalerweise nicht. Kritisch wird es, wenn der Schuh dauerhaft nass ist oder in die Waschmaschine wandert. Nach einer nassen Tour den Schuh gut durchtrocknen lassen, dann hält der Flicken monatelang.

Hält ein Flicken auch über einem schon großen Loch?

Solange rundherum genug intaktes Futter zum Kleben da ist, ja. Lose Fasern am Lochrand vorher abschneiden, sonst klebt der Patch nur auf den Fransen und löst sich wieder.

Was hilft gegen Blasen, die durch das Loch entstehen?

Ein Reparaturflicken deckt zwar ab, reduziert die Reibung aber nicht. Gegen Blasen braucht es eine glatte Oberfläche, wie sie der Blasenstopper mit seiner Teflon-Beschichtung bietet. Der ist in diesem Fall die bessere Wahl, weil er beides erledigt.

Kann der Schuster das besser reparieren?

Er kann das Futter ersetzen statt nur abzudecken, das ist die haltbarere Lösung. Bei hochwertigen Wanderstiefeln oder besonders bequemen Schuhen lohnt sich der Weg. Bei Alltagssneakern steht der Preis meist nicht im Verhältnis.