- Blasen sind kein Hitzeschaden
- Warum leicht feuchte Füße gefährlicher sind als nasse
- Wie oft muss es reiben, bis eine Blase entsteht
- Wie häufig Blasen wirklich sind
- Was nachweislich hilft: die Socke
- Was Vaseline wirklich macht
- Reibung im Schuh senken
- Papiertape und Pflaster
- Was nicht funktioniert
- Wenn die Blase schon da ist
- Häufige Fragen
Fast jeder erklärt sich Blasen gleich. Der Schuh reibt, es wird heiß, die Haut gibt auf. Klingt logisch. Ist aber im Kern falsch, und zwar seit siebzig Jahren nachweislich.
1955 hat ein britischer Dermatologe namens Peter Naylor neunzehn Medizinstudenten das Schienbein wund gerieben, um herauszufinden, was da eigentlich passiert. Seine Ergebnisse haben das Verständnis von Reibungsblasen komplett gedreht. Nur ist das nie im Alltagswissen angekommen, weshalb bis heute Ratschläge kursieren, die entweder nichts bringen oder das Problem verschlimmern.
Dieser Artikel fasst zusammen, was die Forschung tatsächlich zeigt. Auch die Stellen, an denen sie unbequem wird.
Blasen sind kein Hitzeschaden
Naylor baute sich eine Apparatur, die kontrolliert über die Haut rieb. Die Blasen entstanden zwischen 27 und 138 Reibvorgängen, je nach Person und Hautstelle. So weit wenig überraschend.
Interessant wurde es bei den Kontrollversuchen. Er tauschte das Material des Reibkörpers aus, Silber gegen Polythen. Silber leitet Wärme hervorragend ab, Polythen so gut wie gar nicht. Wenn Hitze der Auslöser wäre, hätte das einen deutlichen Unterschied machen müssen. Machte es nicht. Auch eine höhere Reibgeschwindigkeit, die mehr Wärme erzeugt, änderte die Blasenrate nicht.
Die Biopsien zeigten dann, wo der Schaden sitzt. Nicht an der Hautoberfläche, sondern mehrere Zelllagen tiefer, im Stratum spinosum. Dort reißt das Gewebe horizontal auf, und der entstandene Spalt füllt sich anschließend mit plasmaähnlicher Flüssigkeit. Die sichtbare Blase ist also nicht der Schaden. Sie ist die Folge davon.
John Comaish prägte 1973 im Lancet den Begriff, der es am besten trifft: epidermale Ermüdung. Was in der Haut passiert, entspricht dem, was ein Metall macht, das man oft genug hin und her biegt. Irgendwann bricht es, und zwar nicht wegen der einen letzten Bewegung, sondern wegen aller vorherigen.
Die aktuelle Synthese dazu stammt von Rebecca Rushton und Douglas Richie, erschienen 2024 im Journal of Athletic Training (DOI 10.4085/1062-6050-0341.22). Ihr Fazit: Der entscheidende Parameter ist nicht Reibung im umgangssprachlichen Sinn, sondern Scherkraft. Also die seitliche Verschiebung zwischen Hautschichten, die entsteht, wenn die Oberfläche festgehalten wird, während der Knochen darunter weiterwandert.
Das ist mehr als Wortklauberei. Wer Blasen als Hitzeproblem versteht, kauft atmungsaktive Schuhe. Wer sie als Scherproblem versteht, kümmert sich um die Grenzfläche zwischen Fuß, Socke und Schuh. Nur der zweite Ansatz greift die Ursache an.
Warum leicht feuchte Füße gefährlicher sind als nasse
Naylor veröffentlichte im selben Jahr eine zweite Arbeit, die praktisch noch relevanter ist. Er maß den Reibungskoeffizienten der Haut bei unterschiedlichen Feuchtegraden und fand eine Kurve, die viele Läufer aus eigener Erfahrung kennen, ohne sie erklären zu können.
Trockene Haut reibt wenig. Sehr nasse Haut reibt auch wenig, weil der Wasserfilm wie ein Gleitmittel wirkt. Dazwischen, bei leicht klammer Haut, schießt der Reibungskoeffizient nach oben. Die Kurve sieht aus wie eine Glocke, und der Gipfel liegt genau dort, wo ein Fuß nach etwa einer Stunde Belastung landet.
Deshalb entstehen Blasen so oft nicht im Dauerregen, sondern an einem angenehmen Tag bei zweiundzwanzig Grad. Der Fuß ist dann nicht nass, er ist feucht. Das ist der ungünstigste Zustand überhaupt.
Nässe bleibt trotzdem ein Risikofaktor, nur über einen anderen Mechanismus. Eine spanische Untersuchung an 203 Wanderern mit durchschnittlich 253,7 zurückgelegten Kilometern fand bei 68,5 Prozent Blasen. Nasse Socken erhöhten das Risiko um den Faktor 1,94. Der Grund liegt weniger im Reibungskoeffizienten als in der Haut selbst: Durchweichte Epidermis hält deutlich weniger Scherzyklen aus, bevor sie reißt.
Die praktische Konsequenz ist unspektakulär und trotzdem der wirksamste Hebel, den man hat. Feuchtigkeit muss weg vom Fuß, und zwar kontinuierlich, nicht erst in der Pause.

Wie oft muss es reiben, bis eine Blase entsteht?
Sulzberger und Kollegen wiederholten Naylors Versuche 1966 an 54 Soldaten der US Army. Ihr auffälligstes Ergebnis war die Streuung. Bei manchen Probanden entstand nach drei Minuten eine Blase, bei anderen erst nach über fünfzig. Gleiche Belastung, gleiche Hautstelle, Faktor fünfzehn Unterschied.
Das erklärt, warum Erfahrungsberichte in Foren so wenig taugen. Wenn jemand schreibt, er sei mit einem bestimmten Modell fünfzig Kilometer blasenfrei gelaufen, sagt das über den nächsten Läufer wenig aus.
Wie oft es überhaupt reibt, hat Metin Yavuz 2010 gemessen. Er ließ blasenanfällige Personen und zwei Kontrollgruppen über eine Plattform laufen, die Druck und Scherspannung gleichzeitig erfasst. Zwei Befunde daraus sind wichtig. Erstens zeigten die Blasenanfälligen tatsächlich höhere Druck- und Scherwerte als beide Kontrollgruppen, es gibt also so etwas wie mechanische Veranlagung. Zweitens, und das ist die eigentliche Zahl: Die Scherfrequenz unter dem Fuß liegt bei etwa dem Doppelten der Vertikalkraft pro Schritt. Jeder Schritt bedeutet nicht eine Scherbelastung, sondern zwei.
Rechne das gegen Naylors 27 bis 138 Zyklen. Ein Marathon besteht aus rund 40.000 Schritten. Die Frage ist demnach nicht, ob die kritische Zyklenzahl erreicht wird. Sie wird auf den ersten Kilometern erreicht. Die Frage ist nur, wie hoch die Scherkraft pro Zyklus ausfällt und ob die Haut sie wegsteckt.
Wie häufig Blasen wirklich sind
In der medizinischen Versorgung von Laufveranstaltungen sind Blasen der häufigste dermatologische Vorstellungsgrund. Die Zahlen schwanken stark mit der Distanz.
Die Spanne beim Marathon sagt mehr über die Erhebung aus als über die Läufer. Die niedrigen Werte stammen aus Auswertungen der Sanitätsstationen und zählen nur, wer dort auch aufgetaucht ist. Wer sich nach dem Ziel umzieht und die Blase abends zu Hause versorgt, kommt in dieser Statistik nicht vor. Wo dagegen aktiv untersucht oder das ganze Feld befragt wurde, liegen die Zahlen zuverlässig zwischen dreißig und achtzig Prozent. Dazu kommt ein zweites Problem: Bis heute gibt es keine einheitliche Definition, ab wann eine gerötete Stelle als Blase gilt.
Der Sprung passiert nicht linear. Er passiert bei etwa 25 Kilometern kumulativer Distanz. Darunter sind Blasen Pech, darüber werden sie Statistik.
Bernd Scheer hat 2014 beim Al Andalus Ultimate Trail nebenbei auch dokumentiert, wo genau die Blasen sitzen. Zehen 65 Prozent, Fußballen 16, Ferse 14, Sohle 5. Die Ferse hat also einen deutlich schlechteren Ruf als sie verdient. Wer sein Material auf Fersenschutz auslegt und die Zehen ignoriert, sichert die falsche Flanke. Was an dieser Stelle tatsächlich hilft, steht im Ratgeber dazu, wie sich Blasen an den Zehen gezielt verhindern lassen.
Eine Zahl aus Martin Hoffmans Befragung von 500 Ultraläufern wirkt auf den ersten Blick paradox: Wer ins Ziel kam, berichtete häufiger Blasen als wer aufgab (40,1 gegen 17,3 Prozent). Die Erklärung ist banal. Blasen brauchen Distanz, und wer früh aussteigt, sammelt schlicht weniger davon.
Was nachweislich hilft: die Socke
Von allen Präventionsansätzen hat die Socke die beste Datenlage. Das liegt am Militär, das ein handfestes Interesse an marschfähigen Rekruten hat und Feldstudien in Größenordnungen durchführt, die im Sportbereich niemand finanziert.
Die Grundlage legten Herring und Richie 1990 mit einer doppelblinden Untersuchung an 35 Langstreckenläufern. Sie ließen Socken in identischer Konstruktion fertigen, einmal aus reinem Acryl, einmal aus reiner Baumwolle. Mit Baumwolle bekamen die Läufer doppelt so viele Blasen, und diese waren im Schnitt dreimal so groß. Der Grund liegt im Verhalten bei Feuchtigkeit: Nasse Baumwolle treibt den Reibungskoeffizienten auf bis zu 0,85, während er trocken bei etwa 0,37 liegt. Synthetik bleibt auch feucht deutlich darunter.
Die größte kontrollierte Feldstudie stammt von Joseph Knapik, 1996 in Military Medicine. 357 Marine-Rekruten auf Parris Island, drei Gruppen. Die Standardsocke allein, die Standardsocke mit einer Polyester-Innensocke darunter, und ein System aus dichter Außensocke plus Innensocke. Ergebnis: 69 Prozent Blasen in der Standardgruppe, 40 Prozent im vollständigen Doppelsystem. Ein Unterschied von 29 Prozentpunkten bei 357 Personen, statistisch klar abgesichert.
Und jetzt die Studie, die man als Anbieter doppellagiger Socken lieber nicht zitieren würde.
Damien Van Tiggelen untersuchte 2009 an 189 belgischen Rekruten drei Sockenvarianten. Die getestete doppellagige Socke schnitt schlechter ab als eine einlagige gepolsterte Socke aus 88 Prozent Polyester. Der Sockentyp war ein signifikanter Prädiktor für Blasen, nur zeigte der Pfeil nicht in die erwartete Richtung. Knapik selbst hat in einem weiteren Feldtest übrigens Ähnliches erlebt: Ein Coolmax-Liner unter der Standardsocke erzeugte in Summe sogar mehr Blasen als die Socke allein, dafür weniger schwere.
Was folgt daraus? Nicht, dass Doppellagigkeit nicht funktioniert. Knapik 1996 steht mit der größeren und saubereren Stichprobe dagegen. Sondern dass Doppellagigkeit allein kein Wirkprinzip ist. Entscheidend ist, wie die beiden Lagen gegeneinander gleiten, wie dicht gestrickt wird und wie viel Volumen das Ergebnis im Schuh einnimmt. Der direkte Vergleich zeigt, wie sich Doppellage und Zehensocke unterscheiden und wo jedes Prinzip seine Stärke hat.
Genau der letzte Punkt ist die wahrscheinlichste Erklärung für Van Tiggelens Ergebnis. Eine Doppellagensocke, die einen ohnehin knapp sitzenden Kampfstiefel zusätzlich füllt, erhöht den Anpressdruck. Und Druck ist der zweite Faktor in der Scherformel. Was die Konstruktion an Reibung einspart, gibt sie über den Druck wieder her.
Eine Materialstudie von DeBois aus dem Jahr 2022 stützt das aus einer anderen Richtung. Sie verglichen zehn bis zwölf Stoffvarianten und fanden, dass die Strickarchitektur den Reibungskoeffizienten stärker beeinflusst als die Faserchemie. Der Wechsel von Frotteestruktur auf Single-Jersey senkte die dynamische Reibung um 15 bis 30 Prozent. Polyester statt Baumwolle brachte im Vergleich dazu wenig.
Herring und Richie haben ihre eigene Studie 1993 nachgeprüft, diesmal mit dünnerer Polsterung. Der Vorteil von Acryl gegenüber Baumwolle war verschwunden. Auch hier: Die Konstruktion entscheidet mit.
Für die Praxis heißt das etwas Unbequemes. Es gibt keine Socke, die pauschal richtig ist. Die Kombination aus Sockendicke und Schuhvolumen muss stimmen. Sitzt der Schuh eng, gehört eine dünne Socke hinein. Ist Platz im Schuh, darf und soll die Socke dicker sein. Wer das ignoriert, kann mit der besten Konstruktion mehr Blasen produzieren als mit einer beliebigen Baumwollsocke.
Zwei Lagen, die sich gegeneinander bewegen: Die Scherkraft entsteht zwischen den Sockenlagen statt an deiner Haut. Fünf Modelle von ungepolstert bis stark gepolstert, damit die Dicke zu deinem Schuh passt.
Modelle ansehenWelches Modell zu welchem Schuh passt, klärt der Sockenfinder in ein paar Fragen. Wer lieber selbst vergleicht, findet in unserem Guide zu Wandersocken gegen Blasen die Zuordnung nach Einsatzbereich.
Was Vaseline wirklich macht
Vaseline gegen Blasen ist der wahrscheinlich hartnäckigste Ratschlag im Ausdauersport. Er stimmt sogar. Ungefähr eine Stunde lang.
Stig Nacht hat 1981 gemessen, was Petrolatum auf der Haut anrichtet. Kurzfristig sinkt der Reibungskoeffizient deutlich, die Haut wird glitschig, alles wie erwartet. Nach ein bis drei Stunden dreht sich das Vorzeichen. Petrolatum wirkt okklusiv, die Haut darunter hydratisiert, und mit steigender Feuchte klettert der Reibungskoeffizient über den Ausgangswert. Grant Lipman und Bernd Scheer beziffern den Anstieg in ihrer Übersicht von 2015 mit 30 bis 40 Prozent über Baseline, anhaltend über die folgenden vier bis sechs Stunden.
Man landet also genau in dem Bereich der Feuchtekurve, der laut Naylor der ungünstigste ist. Wer bei Kilometer 5 Vaseline aufträgt und bei Kilometer 35 die Blase bekommt, hat nicht zu wenig geschmiert. Er hat zu früh geschmiert.
Dazu kommt ein banales Problem, das jeder Trailläufer kennt: Petrolatum bindet Staub, Sand und Grasreste. Auf einer Wüsten- oder Schotterstrecke baut man sich damit Schleifpapier an den Fuß.
Wachsbasierte Sticks arbeiten anders. Sie legen einen trockenen Film auf die Haut, ohne sie zu okkludieren, und sind mineralöl-, lanolin- und petrolatumfrei. Der Nacht-Effekt greift hier nicht, weil der Mechanismus ein anderer ist. Für Neopren ist der Unterschied sogar sicherheitsrelevant: Vaseline greift Neopren an, ein Wachsstick nicht.
Ehrlicherweise gehört dazu: Für wachsbasierte Anti-Wundreib-Sticks existiert keine randomisierte Studie mit Blaseninzidenz als Endpunkt. Was belegt ist, ist die Reibungsreduktion an mechanisch belasteten Hautstellen. Was nicht belegt ist, sind Prozentzahlen zur Blasenvermeidung. Wer solche Zahlen nennt, hat sie sich ausgedacht.
Wachsbasiert, vegan, ohne Mineralöl, Lanolin und Petrolatum. Trockener Film statt Fettschicht, deshalb auch neoprenverträglich. Für Füße, Oberschenkel, Achseln und alles, was scheuert.
Zur ÜbersichtReibung im Schuh senken
Alle bisherigen Ansätze setzen am Fuß an. Es gibt einen dritten Weg, der die Grenzfläche im Schuh selbst verändert. Drückt der Schuh schon im Alltag, lohnt vorher der Blick darauf, was an welcher Stelle im Schuh hilft.
Klebepads aus PTFE werden nicht auf die Haut, sondern in den Schuh oder auf die Einlegesohle geklebt, dort wo es scheuert. International laufen sie unter dem Namen Engo Patches, bei uns heißen sie Blasenstopper. Der Reibungskoeffizient von Socke gegen PTFE liegt bei etwa 0,17. Der eigentlich bemerkenswerte Wert ist aber ein anderer: Er bleibt über den gesamten Feuchtebereich von null bis hundert Prozent nahezu konstant bei rund 0,2. Andere Materialien im Schuh steigen mit zunehmender Feuchte an, Plastazote etwa auf 0,47.
Damit greift das Prinzip genau an der Stelle, an der Vaseline versagt. Nach zwei Stunden im feuchten Schuh ist der Vorteil noch da.
Jetzt der Teil, den man dazu sagen muss. Diese Werte stammen aus dem Labor. Eine publizierte prospektive Studie, die Blasenhäufigkeit mit und ohne PTFE-Pads bei Läufern vergleicht, existiert nicht. Rushton und Richie ordnen PTFE-Patches in ihrem Review von 2024 ausdrücklich der Kategorie mit unzureichender klinischer Evidenz zu. Belegt ist die Physik, nicht die Blasenquote.
Und weil Transparenz an dieser Stelle mehr wert ist als eine schöne Zahl: Rebecca Rushton, Erstautorin eben dieses Reviews, vertreibt Engo Patches in Australien. Dass sie die Evidenz für ihr eigenes Produkt als unzureichend einstuft, spricht für die Arbeit. Zur Kenntnis nehmen sollte man es trotzdem.
Nebenbei kursiert in Foren gern eine Studie von Polliack aus dem Jahr 2006 als Beleg für ENGO. Sie hat mit diesen Pads nichts zu tun, getestet wurde ein völlig anderes Produkt namens Bursatek.
PTFE-Pads für die Reibungsstelle im Schuh. Werden auf Innenfutter oder Einlegesohle geklebt, nicht auf die Haut. Der niedrige Reibungswert bleibt auch bei Feuchtigkeit stabil.
Mehr erfahrenPapiertape und Pflaster
Grant Lipman hat als einziger Forscher ein Präventionsmittel zweimal unter Rennbedingungen getestet, und die beiden Ergebnisse widersprechen sich zunächst.
2014 tapte er bei einem 250-Kilometer-Etappenrennen jeweils einen Fuß der Teilnehmer, der andere blieb unbehandelt. Kein signifikanter Unterschied, 52 gegen 39 Prozent bei einem p-Wert von 0,22. Auffällig war nur, dass 84 Prozent der Teilnehmer das Tape trotzdem wieder verwenden wollten.
2016 wiederholte er den Versuch mit 128 Ultraläufern und einer wichtigen Änderung: Getapt wurden gezielt die Stellen, an denen der jeweilige Läufer erfahrungsgemäß Blasen bekommt. Jetzt zeigte sich ein Effekt von rund 40 Prozent weniger neuer Blasen. Die Number needed to treat lag bei etwa 1,3, was für ein Präventionsmittel dieser Preisklasse bemerkenswert ist.
Die Lehre daraus ist weniger eine über Tape als eine über Prävention allgemein. Flächig aufgetragen bringt es wenig. Gezielt auf die bekannte Problemstelle bringt es viel. Wer weiß, wo seine Blasen entstehen, hat den halben Kampf gewonnen.
Zu Hydrokolloidpflastern gibt es eine Untersuchung an 604 Militär-Marschierern, die eine Reduktion von 25,5 auf 14,5 Prozent zeigt. Die Studie wurde vom Hersteller finanziert und lief ohne Verblindung. Das entwertet sie nicht, aber es gehört dazu, wenn man die Zahl zitiert.
Was nicht funktioniert
Fußpuder ist der Klassiker unter den Ratschlägen, die man besser ignoriert. Rushton und Richie fassen die Datenlage 2024 so zusammen, dass Puder entweder wirkungslos ist oder das Blasenrisiko erhöht. Der wahrscheinliche Mechanismus: Puder klumpt mit Schweiß und erzeugt genau die unregelmäßige Oberfläche, die man vermeiden wollte.
Antitranspirantien am Fuß sind der interessantere Fall, weil sie tatsächlich wirken. Knapik testete 1998 doppelblind an 667 Kadetten der US-Militärakademie eine Zubereitung mit 20 Prozent Aluminiumchlorid-Hexahydrat. Bei mindestens drei Anwendungsnächten vor dem Marsch sanken die Blasen von 48 auf 21 Prozent. Ein starker Effekt.
Die zweite Zahl aus derselben Studie wird selten mitzitiert. Hautreizungen traten bei 57 Prozent der Verum-Gruppe auf, gegenüber 6 Prozent unter Placebo. Man tauscht also Blasen gegen brennende Füße. Für einen einmaligen Wettkampf mag das aufgehen, als Dauerlösung eher nicht.
Antibiotische Salben auf intakte Haut aufzutragen, hat in keiner Untersuchung einen Nutzen gezeigt, weder für die Heilung noch für das Infektionsrisiko. Das Gleiche gilt für die alte Empfehlung, die Haut mit Gerbstofftinkturen abzuhärten.
Wenn die Blase schon da ist
Die aussagekräftigste Untersuchung zur Versorgung stammt von Cortese und Kollegen aus dem Jahr 1968 und ist seither nicht übertroffen worden. An 83 Probanden zeigte sich, dass der Zeitpunkt der Versorgung darüber entscheidet, wie gut das Blasendach am Ende anhaftet und wie schnell die Stelle wieder belastbar wird.
Bemerkenswert ist, was seither nicht passiert ist. Eine offizielle Leitlinie speziell für Reibungsblasen existiert bis heute nicht, obwohl die Wilderness Medical Society Leitlinien zu Hitze, Höhe, Erfrierungen und Hyponatriämie herausgegeben hat. Ausgerechnet die häufigste Verletzung im Ausdauersport läuft auf Fachkonsens statt auf formalem Regelwerk.
Wie du eine bestehende Blase konkret versorgst, steht ausführlicher in unserem Ratgeber Was tun gegen eine Blase am Fuß. Für die Situation unterwegs, wenn noch dreißig Kilometer vor dir liegen, ist der Beitrag zu Blasen beim Extremwandern passender.
Häufige Fragen zur Entstehung von Blasen
Entstehen Blasen durch Hitze im Schuh?
Nein. Naylor zeigte bereits 1955, dass die Wärmeleitfähigkeit des reibenden Materials keinen Einfluss auf die Blasenrate hat. Auslöser ist wiederholte Scherverschiebung in der Epidermis, die zu einem Riss im Stratum spinosum führt. Wärme entsteht dabei als Begleiterscheinung, ist aber nicht die Ursache.
Warum bekomme ich Blasen, obwohl meine Schuhe passen?
Passform ist nur einer von mehreren Faktoren. Entscheidend sind außerdem der Feuchtegrad der Haut, die Scherkraft pro Schritt und die individuelle Hautbelastbarkeit, die zwischen Personen um den Faktor fünfzehn schwanken kann. Häufigste praktische Ursache bei gut sitzenden Schuhen: leicht feuchte Füße, weil genau in diesem Bereich der Reibungskoeffizient am höchsten ist.
Helfen doppellagige Socken wirklich gegen Blasen?
In der größten kontrollierten Feldstudie mit 357 Rekruten senkte ein doppellagiges Sockensystem die Blaseninzidenz von 69 auf 40 Prozent (Knapik 1996). Eine belgische Untersuchung von 2009 fand allerdings eine einlagige gepolsterte Polyestersocke, die eine getestete Doppellagensocke schlug. Doppellagigkeit allein genügt also nicht. Konstruktion, Strickdichte und vor allem das Verhältnis von Sockendicke zum verfügbaren Platz im Schuh entscheiden mit.
Ist Vaseline gut gegen Blasen?
Nur kurzfristig. Petrolatum senkt den Reibungskoeffizienten sofort, treibt ihn aber nach ein bis drei Stunden über den Ausgangswert, weil die Haut darunter hydratisiert (Nacht 1981). Der Anstieg wird mit 30 bis 40 Prozent über Baseline beziffert. Auf langen Distanzen arbeitet Vaseline damit gegen den Träger. Zusätzlich bindet sie Staub und Sand.
Ab welcher Distanz wird das Blasenrisiko hoch?
Der Anstieg beginnt deutlich oberhalb von etwa 25 Kilometern kumulativer Distanz. Bei Marathons liegen die berichteten Raten zwischen 0,2 und 39 Prozent, wobei die Spanne vor allem die Erhebungsmethode widerspiegelt. Bei mehrtägigen Ultraläufen erreichen sie 76 Prozent und mehr. In einer Fünf-Tages-Etappenveranstaltung stieg der Anteil betroffener Läufer von 34 Prozent an Tag 1 auf 76 Prozent an Tag 4.
Dieser Beitrag fasst den Stand der wissenschaftlichen Literatur zusammen und ersetzt keine podologische oder ärztliche Beratung. Bei entzündeten Blasen, wiederkehrenden Beschwerden oder Vorerkrankungen wie Diabetes gehört der Fuß in fachkundige Hände. Die zitierten Studien sind am Ende des Beitrags mit Quelle und Jahr aufgeführt.
Zentrale Quellen
Rushton R, Richie D. Friction Blisters of the Feet: A Critical Assessment of Current Prevention Strategies. J Athl Train 2024;59(1):8–21. DOI
Naylor PFD. Experimental friction blisters. Br J Dermatol 1955;67(10):327–342.
Mailler EA, Adams BB. The wear and tear of 26.2: dermatological injuries reported on marathon day. Br J Sports Med 2004;38(4):498–501.
Knapik JJ et al. Influence of boot-sock systems on frequency and severity of foot blisters. Mil Med 1996;161(10):594–598. PubMed
Van Tiggelen D et al. Sock systems to prevent foot blisters. Mil Med 2009;174(2):183–189. PubMed
Herring KM, Richie DH. Friction blisters and sock fiber composition. J Am Podiatr Med Assoc 1990;80(2):63–71.
Nacht S et al. Skin friction coefficient: changes induced by skin hydration and emollient application. J Soc Cosmet Chem 1981;32:55–65.
Lipman GS et al. Paper tape prevents foot blisters (Pre-TAPED II). Clin J Sport Med 2016;26(5):362–368.
Cortese TA et al. Treatment of friction blisters. Arch Dermatol 1968;97(6):717–721.





